Über mich

Mich interessiert nicht, wie die Welt aussieht.Mich interessiert, was in ihr passiert.

Porträt von Franz Paul Podek mit Kamera
Franz Paul Podek, Bad Sauerbrunn · Burgenland · Österreich

Meine ersten Fotos habe ich mit acht Jahren gemacht, mit der Kamera meines Vaters. Er hat mir nicht nur eine Kamera in die Hand gegeben, sondern auch seine Liebe zur Fotografie weitergegeben. Unser Leben hat er in Tausenden Dias festgehalten – Reisen, Menschen, Familie, Augenblicke, die längst vergangen sind und durch seine Bilder trotzdem geblieben sind.

Seitdem fotografiere ich. Seit fünfzig Jahren.

Wirklich intensiv wurde die Fotografie für mich in meinen Zwanzigern. Ich fotografierte Sport und arbeitete als Pressefotograf für die Niederösterreichischen Nachrichten. Es war Reportagefotografie: beobachten, vorausdenken, reagieren – und im richtigen Augenblick den Auslöser drücken.

Damals entwickelte ich meine Schwarz-Weiß-Filme und Bilder noch selbst. Irgendwo zwischen Kamera, Film und Dunkelkammer bin ich bei der Schwarz-Weiß-Fotografie hängen geblieben.

Und vielleicht ergibt Schwarz-Weiß heute für mich mehr Sinn denn je.

Wir leben in einer Zeit, in der praktisch jeder ein technisch hervorragendes Bild in der Hosentasche trägt. Milliarden Bilder zeigen uns jeden Tag, wie etwas ausgesehen hat. Scharf, farbig und zunehmend perfekt.

Mich interessiert etwas anderes.

In dem Moment, in dem einem Bild die Farbe fehlt, verliert es einen Teil seiner Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit. Es behauptet nicht mehr einfach: So war es.

Es beginnt zu interpretieren.

Plötzlich werden Licht und Schatten wichtiger. Eine Geste. Ein Blick. Eine Hand. Eine Bewegung. Die Entfernung zwischen zwei Menschen. Das, was gerade passiert – und manchmal auch das, was nur für einen Augenblick spürbar war.

Vielleicht liegt genau darin für mich die Kraft der Schwarz-Weiß-Fotografie: Sie reduziert die Wirklichkeit, um mehr von ihr sichtbar zu machen.

Ich bin im Kern bis heute Reportagefotograf geblieben. Inszenierte Studiofotografie interessiert mich wenig. Ich arbeite ohne Blitz und möglichst mit dem Licht, das tatsächlich da ist. Mich interessieren Menschen in ihrem Kontext, Situationen, Begegnungen und diese kurzen Momente, in denen etwas sichtbar wird, das sich nicht wiederholen lässt.

Auch wenn ich ein Porträt fotografiere, möchte ich deshalb nicht nur zeigen, wie ein Mensch aussieht.

Mich interessiert, wer da vor mir ist.

Und vielleicht ist das auch mein einfachster Maßstab für ein gutes Foto:

Ein gutes Foto ist eines, das man nicht sofort wegwischt.

Wenn ein Mensch vor einem Bild stehen bleibt und es länger als fünf Sekunden betrachtet, hat das Bild etwas geschafft.

Es hat für einen Moment unsere Aufmerksamkeit bekommen.

Und in einer Welt, in der wir jeden Tag an Tausenden Bildern vorbeisehen, ist das vielleicht schon ziemlich viel.

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